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Dienstag, den 16. Aug. 2011

Jura: Cash Cow der Uni  

.   Ein paar hundert Juristen in Hotelsälen. Nach Jahren ein neues Mustergesetz. Die meisten sind erfahrene Anwälte. Kaum Professoren dabei. Der Häretiker denkt: Amerikanische Professoren haben nicht viel zu bedeuten. Die Praktiker entwickeln das Recht, als Anwälte und als Richter.

Juristen in den einzelstaatlichen Parlamenten prüfen die Mustergesetze und setzen sie in einzelstaatliches Recht um. Gelegentlich kommen aus den Hotelsälen auch Vorgaben für den Bund, beispielsweise das Restatement of the Foreign Relations Law of the United States - kein Gesetz, doch von Gerichten und Ministerien als authoritativ erachtet.

Mit dieser Lebenserfahrung deckt sich die Kritik eines Juraprofessors von einer Top-Uni der USA: Jura ist eine Cash Cow für die Unis, wird wie ein Handwerk gelehrt und versteht sich an der Fakultät nicht als Wissenschaft.

Statt wie in bestimmten Phasen der USA und ihrer Jurafakultäten die Wissenschaft voranzutreiben, legten die juristischen Fakultätsverwaltungen in den vergangenen Jahrzehnten Wert und Prestige auf Handwerkliches und Interdiszipläres: Clinics für dieses und jenes, Juraabschlüsse in Verbindung mit X und Y.

Dem auch im Ausland ausgebildeten Juristen kommt das bekannt vor: Das amerikanische Recht wird eindeutig nicht von der Lehre geprägt. Anwälte üben den stärksten Einfluss auf die Entwicklung des Rechts aus. Systematik, Dogmatik und Logik erscheinen weitläufig unbekannt.

Der rechtshistorische Einfluss dominiert - wie sollte es in fallrechtsdominierten Rechtsordungen auch anders sein. Man muss wissen, was 1066 zählte, wie 1776 die eigenständige Weiterentwicklung motiviert wurde, warum England fortschrittlicher wurde als die USA. Auf die Rechtshistorie baut das zu schaffende Recht auf, mit Freiheiten, die ein Anwalt am Fall entwickelt und ausdehnt.

Die Juristische Fakultät als Berufsschule? Seine scharfe Sicht begründet der unbenannte Professor in einer neuen Serie Inside the Law School Scam. Teile 1 und 2 untersuchen Legal Scholarship. Der Cash Cow-Aspekt ist seit Anfang der achtziger Jahre gerade bei LLM-Programmen bekannt.

Gebt den Ausländern genug Credits, um heftige Gebühren zu rechtfertigen, und eine beeindruckende Urkunde, doch lasst sie nicht an die für die Bar Exams notwendigen Fächer, damit sie nicht unseren amerikanischen Studenten die Stellen stehlen.

So kam's dann auch bald. Ausländer subventionieren die Programme für die Amerikaner, und die Law Schools finanzieren die Unis. Um Wissen und Wissenschaft geht es kaum.








CK
Clemens Kochinke ist Gründer und Herausgeber des German Ame­ri­can Law Journal in der Digitalfassung sowie von Embassy Law. Er ist nach der Ausbildung in Deutschland, Malta, England und USA Jurist, At­tor­ney und Rechtsanwalt, vormals Referent für Wirt­schafts­politik und IT-Auf­sichtsrat, seit 2014 zudem Managing Part­ner einer 75-jäh­ri­gen ame­ri­ka­nischen Kanzlei. Er erklärt deutsch-ame­ri­ka­ni­sche Rechtsfragen in Büchern und Fachzeitschriften.

2014 erschien sein Kapitel Vertragsverhandlung in den USA in Heussen/Pischel, Handbuch Vertragsverhandlung und Ver­trags­management, und 2012 sein Buchbeitrag Business Nego­ti­ati­ons in Ger­many in New York, 2013 sein EBook Der ame­ri­ka­ni­sche Vertrag: Planen - Verhandeln - Schreiben.

Die meisten Mitverfasser sind seine hochqualifizierten, in das amerikanische Recht eingeführten Referendare und Praktikanten.