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Mittwoch, den 20. Aug. 2014

Unwissenheit ist Ungerechtigkeit - Rezension  

Ein Plädoyer für das Recht auf Bildung
SF - Washington.   Jeder hat ein Recht auf Bildung. - Artikel 26 der Allge­meinen Erklä­rung der Menschen­rechte vom 10. Dezember 1948.

Bildung ist eines der Themen, das in keiner poli­tischen Grund­satz­rede fehlen darf. Doch bleibt es oft dabei - es wird mehr gesprochen als getan. Ugo Mifsud Bonnici, ehemaliger maltesischer Präsident und Kultus­minister, ruft mit seinem neuesten Werk An Introduction to the Law of Education eindringlich dazu auf, sich mit den recht­lichen Rahmen­bedingungen und Vorgaben der Bildung zu beschäftigen. Jedem Bildungs­politiker sei folgendes Zitat aus dem Werk ans Herz gelegt: Man kann nicht das Richtige tun, wenn man nicht weiß, was das Richtige ist und man erfährt, was das Richtige ist, wenn man darüber lernt.

Obwohl sich der Autor im Schwer­punkt mit der Rechtslage in seinem Heimat­land Malta befasst, kommt auch der inter­nationale Leser auf seine Kosten. Recht und Bildung haben erst verhältnis­mäßig spät zu einander gefunden. Nichts­desto­trotz hat das Recht der Bildung viele Wurzeln und länder­über­greifende gemein­same Nenner. In einer intelli­genten Mischung aus histoshy;rischer und philoso­phischer Herleitung fächert der Autor auf, welchen Einfluss auf Bildung Staat, Kirche und Eltern nahmen und nehmen, welch elementare Rolle der Sprache als Medium zukommt und wo Lehrer und Lehrende ihren Platz finden. Zwischen Aristo­teles und Kant nimmt der Autor Bezug auf Verfas­sungen und Gerichts­entscheidungen vieler Länder, darunter auch Deutsch­land und die Verei­nigten Staaten von Amerika, sowie auf Recht­sprechung inter­nationaler Gerichte. Er zeigt auf, wo sich histo­risch Unter­schiede ergaben, die bis in die heutige Rechts­wirklichkeit fort­wirken und wo inter­nationale Abkommen, ausgehend von der Allgemeinen Erklärung der Menschen­rechte, die Schaffung gemeinsamer Standards anstreben. Der Autor legt einen regionalen Schwer­punkt auf Regel­werke in Europa, insbesondere des Europarates, für dessen Venedig Kommission zum Thema Demokratie durch Recht er seit 2002 tätig war. In Anlehnung an diese Tätigkeit endet der Autor mit einem passio­nierten Plädoyer für eine fundier­tere Ausbildung im nationalen, europä­ischen und inter­nationalen Recht für jedermann als Grund­pfeiler einer demokra­tischen Gesell­schaft.

Ohne Frage ist die Lektüre dieses Werkes ein Muss für Lehrende sowie Poli­tiker und Juristen im Bildungs­sektor. Es ist jedoch alles andere als trockende Bestands­aufnahme und Analyse. Der Leser wird ganz nebenbei in die malte­sische und europä­ische Geschichte entführt und trifft auf die großen Denker und Staats­männer der jeweiligen Zeit. Lesenswert!
An Introduction to the Law of Education
Dr. Ugo Mifsud Bonnici
1. Aufl. 2013
ISBN: 9789990945751
400 Seiten - €25,00







CK
Clemens Kochinke ist Gründer und Herausgeber des German Ame­ri­can Law Journal in der Digitalfassung sowie von Embassy Law. Er ist nach der Ausbildung in Deutschland, Malta, England und USA Jurist, At­tor­ney und Rechtsanwalt, vormals Referent für Wirt­schafts­politik und IT-Auf­sichtsrat, seit 2014 zudem Managing Part­ner einer 75-jäh­ri­gen ame­ri­ka­nischen Kanzlei. Er erklärt deutsch-ame­ri­ka­ni­sche Rechtsfragen in Büchern und Fachzeitschriften.

2014 erschien sein Kapitel Vertragsverhandlung in den USA in Heussen/Pischel, Handbuch Vertragsverhandlung und Ver­trags­management, und 2012 sein Buchbeitrag Business Nego­ti­ati­ons in Ger­many in New York, 2013 sein EBook Der ame­ri­ka­ni­sche Vertrag: Planen - Verhandeln - Schreiben.

Die meisten Mitverfasser sind seine hochqualifizierten, in das amerikanische Recht eingeführten Referendare und Praktikanten.