• • Hirschgeweihextrakt und Journalistensorgfalt • • Veröffentlichte Normen im Urheberrecht • • Lizenznehmer passt Software durch Änderung an • • Propaganda-Meldepflicht des Radiolizenzinhabers • • Zahnvergleich im Zahnarztfotourheberrecht • • Verfassungsbruchklage gegen Trump schlüssig • • Tod im Propeller: Wer haftet? • • Spitzenplagiat: Bestechende Ähnlichkeit • • Neueste Urteile USA

Samstag, den 18. Mai 2019

Schuss in Fuß: Strafzölle, Quellen, Ausblick  

.   Wer China und Huawei nicht mag, schießt sich und seine Freunde mit Handelshemnissen wie Strafzöllen und Ausfuhrkontrollen in den Fuß, steht im Lehrbuch des Außenhandels­rechts. Diese Weisheit ging an trump vorüber. Hier die Quellen der neuen Schritte im Fe­deral Register vom 17. Mai 2019:
A.   Trump: Executive Order 13873--Securing the Information and Communications Technology and Services Supply Chain.
B.   USTR - Außenhandelsbeauftragter: Strafzölle nach Section 301: China's Acts, Policies, and Practices Related to Technology Transfer, Intellectual Property, and Innovation.
Wenn man 40 Jahre lang im Wirtschafts- und Außenhandelsrecht der USA ge­wirkt hat, bleibt nur Stau­nen. Die Maßnahmen zwingen China zum Aufbau von Un­ter­neh­men, die tech­nisch und wirt­schaftlich mit den USA und befreun­de­ten Na­tio­nen kon­kurrieren und sie wahrscheinlich preislich unterbie­ten wer­den. Nicht nur ame­ri­kanische Hersteller, sondern auch Abnehmer im Aus­land, die US-Gü­ter ver­ar­bei­ten, wer­den zu neu­en drastischen Exportkontrol­len und Wie­der­aus­fuhr­li­zenz­verfahren verpflichtet.

Die neuen Ausfuhr-Compliance-Dekrete sehen mehr als das übliche Ermessen der Ämter nach Verordnungen vor, deren Entwurf, geschweige deren Bestim­mun­gen, noch in den Ster­nen steht. Der Verfasser ist überglücklich, für diese Auf­ga­ben eine hoch­ge­ach­te­te Abteilung aufgebaut zu haben und daher selbst pro­duk­ti­ve­re Auf­ga­ben verfolgen zu dürfen.


Donnerstag, den 16. Mai 2019

Hirschgeweihextrakt und Journalistensorgfalt  

Diffamierung durch Berichterstattung über verbotene Mittel
.   Journalisten berichteten über eine Untersuchung eines Sportverbandes des Einsatzes von Hirschgeweihextrakt des Klägers durch Sportler und andere verbotene Mittel Dritter. Er verklagte die Presse wegen Verleumdung, und der Revisionsentscheid in Neiman Nix v. ESPN Inc. folgte am 15. Mai 2019. Die Presse wandte die Einreden ordentlicher Bericht­er­stat­tungs­sorg­falt, des fair Journalism Privilege, sowie des Wei­ter­ver­brei­tungs­rechts, ein.

Zunächst erörterte das Bundesberufungsgericht des elften Bezirks der USA in Atlanta die Anwendung des Rechts von New York statt des Rechts von Flo­rida, das andere Einreden und eine längere Verjährungsfrist vorsieht. Die New Yor­ker Frist ist kürzer und war verstrichen. Floridas Sorgfaltspflichtseinrede ist be­dingt, während die New Yorks unbedingt wirkt. Das Untergericht hatte New Yor­ker Recht an­ge­wandt, und die Revision stimmte ihm zu, weil die wich­tig­sten Ver­bin­dun­gen zu ihm deuteten.

Die Sorgfaltseinrede verlangt nach New Yorker Recht keine per­fek­te Dar­stel­lung, sondern eine den Druckfristen entsprechend sorgfältige und an­ge­mes­se­ne: … composed and phrased in good faith under the exigencies of a pub­li­ca­ti­on deadline,… Fehler, die beim Leser keinen falschen Eindruck her­vor­ru­fen, sind schadlos. Hier hatte der Bericht fehlerhaft verbotene Sub­stan­zen in einen Topf geworfen, aber der Lesereindruck wurde nicht verfälscht.

Die Einrede des Weiterverbreitungsrechts, Wire Service Defense, bezieht sich auf die Verbreitung von Berichten von Nachrichtenagenturen. Da sich die Be­klag­ten auf die Richtigkeit eines Agenturberichts verlassen durften, so­lan­ge sie kein bes­seres Wissen hatten oder die Glaubwürdigkeit des Verfassers an­zwei­feln muss­ten, hatte das Untergericht diese Einrede ebenfalls irrevisibel an­ge­wandt.

Schließlich erklärte die Revision, dass eine behauptete Ver­leum­dung nicht kon­klu­dent durch eine mentale Verbindung mit Rechtsbrechern er­fol­gen kann. Ent­we­der ist eine Be­hauptung falsch oder nicht. Der Presse muss eine gewisse Dar­stel­lungs­freiheit eingeräumt werden, während der Leser nur vor fal­schen Auf­fas­sungen bewahrt werden soll. Die absolute Richtigkeit ist nicht ent­schei­dend.


Samstag, den 11. Mai 2019

Veröffentlichte Normen im Urheberrecht  

.   Abmahnungen sind riskant und teuer. Eine Takedown No­ti­ce vom 6. Mai 2019 nach dem Digital Millennium Copyright Act behauptet die un­er­laub­te Ver­öf­fent­li­chung von HDMI-Normen, die die standardsetzende Or­ga­ni­sation im Internet veröffentlichte, durch einen Dritten im Internet. Sie be­haup­tet, HDMI-Nor­men seien vertraulich, was nach Geschäfts­ge­heim­nis­recht nicht stimmen kann, wenn eine Veröffentlichung stattfand, und die übliche Veröf­fent­li­chung der Ab­mah­nung setzt die Or­ga­ni­sa­ti­on dem Spott aus.

Klar ist jedoch, dass der Urheberrechtsinhaber nach einer eigenen Ver­öf­fent­li­chung eines Werks als Monopolinhaber die al­lei­ni­ge Kon­trol­le über die Wei­ter­ver­brei­tung, Auf­füh­rung, Dar­stel­lung, Über­setzung und sonstige Rechte be­hält. Er darf seine Rechte durch Erklärungen oder Lizenzvergabe ein­schrän­ken. Bei­spiels­wei­se kann eine Normenorganisation eine Mitgliedschaft oder eine Ver­gü­tung für die Einsicht oder Nutzung der Normen voraussetzen, was bei­spiels­wei­se beim vom Justizministerium genehmigten Bluetooth-Kartell der Fall ist.

Unter dem Titel "Confidential" HDMI Specifications Docs Hit With DMCA Take­down erörtert Autor Andy die widersprüchliche Tatsachen- und Rechtslage der HDMI-Ab­mah­nung lesenswert. Die Normenveröffentlichung steht ge­gen­wär­tig in einem rechtlichen Spannungsfeld ungeklärter und un­ein­heit­li­cher Recht­spre­chung über die Fair Use-Einrede des Urheberrechts.

Be­son­ders angespannt wird erwartet, ob und wie der Supreme Court eines Ta­ges die Wiederveröffentlichung von Normen beurteilen wird, die ein Ge­setz­ge­ber in ein Gesetz umgesetzt hat oder in einem Gesetz unter Verweis auf die Quel­le ver­bindlich macht, siehe Kochinke, Die Norm als Gesetz: Darf man sie zitieren, kopieren? und Länderberichte USA in der Zeitschrift Kom­mu­ni­ka­ti­on & Recht.


Donnerstag, den 09. Mai 2019

Lizenznehmer passt Software durch Änderung an  

Copyright Symbol
.   Der Revisionsentscheid Univer­sal In­struments Corp. v. Micro Systems Engineering Inc. betrifft die Behauptung eines Softwareherstellers, dass der Kunde seine Automatisierungssoftware rechtswidrig an seinen Nachfolger, der den Folgeauftrag erhielt, weitergab und veränderte. Eine Anpassung des Quellkodes ist un­be­strit­ten. Die die Veränderung regeln­de Rechts­fra­ge folgt aus dem Ex­klu­siv­li­zenz­vertrag und dem Copyright Act, der in 17 USC §117(a) Softwarerechte besonders regelt:
… it is not an infringement for the owner of a copy of a compu­ter pro­gram to make or authorize the making of ano­ther co­py or adap­ta­tion of that computer program provided:
  (1) that such a new co­py or adap­ta­ti­on is created as an essential step in the utilization of the computer program in con­junc­ti­on with a machine and that it is used in no other manner … AaO 21.
Der Lizenznehmer hatte Software für seine Geräte und einen Server in Auf­trag ge­ge­ben und erhalten. Ursprünglich sollte der Quellkode des Ser­ver­pro­gramms beim Auf­trag­nehmer verbleiben, doch bei der Produktabnahme wurde der Quellkode einvernehmlich dem Kunden ausgehändigt. Nach der Ausschreibung des zweiten Entwicklungsschritts der Kundenprodukte gewann ein billigerer Anbieter, dem der Erstentwickler auf Anfrage den Verkauf von Serverhardware verweigerte.

Der Kunde setzte daraufhin ein alternatives Servergerät ein und ließ den Quell­kode des Serverprogramms darauf anpassen. Das Bun­des­be­ru­fungs­ge­richt des zweiten Bezirks der USA in New York City erörterte am 8. Mai 2019 die Merk­ma­le von §107: das Eigen­tum an einer Ko­pie des Pro­gramms, die An­pas­sung des Pro­gramms als not­wendigen Schritt zu seiner Nutzung auf dem Gerät sowie keine andere Nutzung. Die Voraussetzungen sind gegeben. Ein zudem be­haup­te­ter Vertragsverletzungsanspruch kann ebensowenig wie eine Ge­schäfts­ge­heim­nis- oder eine Wettbewerbsrechtsverletzung greifen, weil die urheber­recht­li­che Re­ge­lung anderen Ansprüchen vorgeht.


Mittwoch, den 08. Mai 2019

Propaganda-Meldepflicht des Radiolizenzinhabers  

Supreme Court muss klären, ob Kommunikationsanbieter Propaganda betreiben
.   Der Foreign Agents Registration Act soll seit 1938 Na­zi­pro­pa­gan­da trans­pa­rent ma­chen und erfasste heute den Inhaber einer Ra­dio­li­zenz, der für den Sender Sput­nik In­ter­na­tio­nal ver­trag­lich dessen Programme aus­strahlt. Der Li­zenz­in­ha­ber bestritt die Anwendbarkeit der Meldepflicht, die mit an­walt­li­chem Bei­stand eher um­ständ­lich als be­schwer­lich ist, den Schatten des Be­griffs Pro­pa­gan­da auf völ­lig nor­ma­le Programme wirft und verfassungsrecht­lich be­denk­lich wirkt. Am 7. Mai 2019 ent­schied das Bun­des­ge­richt des Süd­lichen Bezirks von Florida in RM Broadcasting LLC v. U.S. Department of Ju­sti­ce gegen ihn.

Vertraglich ist der Lizenzinhaber zur vergüteten Ausstrahlung des Sputnik-Pro­gramms ver­pflich­tet. Die für die FARA-Meldungen und Durchsetzung zu­stän­di­ge Straf­ab­tei­lung des Bun­des­justizministerium bestimmte, dass die Klä­ge­rin als Pub­li­zit­ätsagent und als In­for­ma­tion-Service Employee im Sinne des Ge­set­zes für Sput­nik han­delt und bei der FARA-Ab­tei­lung ge­mel­det wer­den muss. Sie wei­ger­te sich und ver­klag­te das Ministerium auf Bestätigung ihrer Rechts­auf­fas­sung.

Veröffentlichte FARA-Entscheidungen sind extrem selten. Das neue Urteil wird mit erheblicher Sicherheit in der Revision vor das Bundesberufungsgericht des elften Bezirks der USA in Atlanta gelangen und kann sogar den Supreme Court erreichen. Die Entscheidungsbegründung prüft die FARA-Paragrafen sorgfältig durch und stellt fest, dass Sputnik Weisungs- und Kontrollrechte gegenüber der Klägerin ausübt und diese daher den Definitionen der Melde­pflich­ti­gen entspricht.


Donnerstag, den 02. Mai 2019

Zahnvergleich im Zahnarztfotourheberrecht  

.   Der Revisionsentscheid in Mitchell A. Pohl, DDS v. MH Sub I LLC vom 1. Mai 2019 behandelt vom Zahnarzt angefertigte Pa­ti­en­ten­be­hand­lungs­fo­tos, die die beklagte Webseitengestalterin von seiner Web­sei­te ko­piert und auf Web­sei­ten ihrer Kund­schaft wiederveröffentlicht hat­te. Der Klä­ger war ak­tiv­le­gi­ti­miert, weil seine Fotos und die Webseite beim Co­py­right Of­fi­ce ein­ge­tra­gen sind. Die Beklagte wand den Mangel an urheber­rechts­qua­li­fi­zie­ren­der Kreativität der Werke ein, und das Untergericht ent­schied:
… taking the pictures in­vol­ved no "creative spark." … (1) the pic­tu­res ser­ved the purely utilitarian purpose of advertising Dr. Pohl's ser­vi­ces, (2) the actions Dr. Pohl took in taking the pictures in­vol­ved "the most rudimentary and basic task[s] for photo­gra­phers sin­ce the era of the da­gu­er­reotype," and (3) the en­ti­re pho­to­gra­phy process took only five minutes. AaO 7.
Urteile über die Schöpfungshöhe im Fotorecht sind selten, weil der Supreme Court die gesetzlichen Anforderungen als minimal bezeichnet hat. Das Bun­des­be­ru­fungs­ge­richt des elften Bezirks der USA in Atlanta schlug in dieselbe Kerbe und legte außerordentlich ausführlich dar, warum beschreibend wir­ken­de Wer­be­auf­nah­men Urheberschutz genießen. Allein seine Auswertung zahl­rei­cher Prä­ze­denz­fäl­le ist lehrbuchhaft praxisrelevant und zur Einführung ins ame­ri­ka­ni­sche Fotorecht empfohlen.


Donnerstag, den 02. Mai 2019

Verfassungsbruchklage gegen Trump schlüssig  

.   Von Königen, heute Staaten, des Auslands darf ein Prä­si­dent kei­ne Ver­gü­tung ohne Erlaubnis des Kongresses an­neh­men, be­stimmt die Emoluments Clause der Bun­des­ver­fas­sung. trump rühmt sich zahl­rei­cher Ge­schäf­te mit solchen Staaten auch während sei­ner Amts­zeit und glaubt, die Ver­fas­sung ge­statte sie. Die der Durchsetzung der Ver­fas­sungs­schran­ken ge­wid­me­te Fest­stellungsklage eines Se­na­tors und 200 wei­te­rer Ab­geordneten be­an­trag­te trump als unschlüssig abzuweisen:
The Foreign Emoluments Clause provides:
No Title of Nobility shall be granted by the United Sta­tes: And no Person holding any Office of Profit or Trust under them, shall, with­out the Consent of the Congress, ac­cept of any pre­sent, Emo­lu­ment, Office, or Title, of any kind whatever, from any King, Prin­ce, or for­eign Sta­te.
U.S. Const. art. I, § 9, cl. 8.
Am 30. April 2019 wurde in Blumenthal v. Trump seine Einrede abgewiesen. Das Bundesberufungsgericht der Hauptstadt erkannte, dass die Geschäfte von trumps 500 Körperschaften zu Emoluments-Vergütun­gen von Staa­ten und Di­plomaten im Sinne der Verfassung führen können.

Der Schlüssigkeitsprüfung folgt im US-Prozess das Beweisaus­for­schungs­ver­fah­ren Discovery. In ihm werden die Geschäfte, die auch die Entgegennahme chinesischer geistiger Eigentumgsrechte einschließen, weiter erforscht werden. Mit der Feststellungsklage verbinden die Kläger eine Verbotsverfügung, die trumps zu­künf­ti­ge Ge­schäf­te mit dem Aus­land ein­schränkt. Das Ge­richt wer­te­te, dass diese Rechtsfolgen zulasten eines Präsidenten ver­fas­sungs­ver­ein­bar sind.


Mittwoch, den 01. Mai 2019

Tod im Propeller: Wer haftet?  

Sorgfaltspflicht bei vorhersehbarem Schaden und umsichtigen Personen
.   So grausam der Gang in den rotierenden Propeller eines Fall­schirm­sprin­gerflug­zeugs und damit den Tod einer Flugbetriebsmitarbeiterin ge­we­sen sein mag, so klar ist der Re­vi­si­ons­bescheid vom 30. April 2019 in Re­bec­ca Wink­ler v. Win Win Avi­ati­on Inc. zur Frage der Haftung von Be­trieb und Pi­lot for­mu­liert. Die El­tern klag­ten, weil beim Auffüllen des Flug­ge­räts die Motoren beim Spritnachfüllen nicht abgestellt wurden, ihre Toch­ter kei­ne Si­cher­heits­ein­wei­sung am To­des­tag er­hielt und da­mit ein Ver­schul­den durch Sorg­falts­pflicht­ver­let­zung vor­liege.

Das Bundesberufungsgericht des sechsten Bezirks der USA in Cincinnati er­klärt leicht les­bar die Haupt­re­geln der Haf­tung, die eine Pflicht nur bei einer vor­her­seh­ba­ren Ge­fahr aufgibt: [U]nder Ohio law, "a plaintiff must prove (1) that the de­fen­dant owed the plain­tiff a duty, (2) that the defendant breached that du­ty, and (3) that the breach of the du­ty pro­xi­ma­te­ly cau­sed the plain­tiff's in­ju­ry." Chambers v. St. Mary's Sch., 697 N.E.2d 198, 200 (Ohio 1998) … "The exi­sten­ce of a du­ty de­pends on the fore­see­abi­li­ty of the in­jury." Me­ni­fee v. Ohio Wel­ding Prods., Inc., 472 N.E.2d 707, 710 (Ohio 1984).

Die Tote hatte eine rote Linie überschritten, die alle, Passagiere ebenso wie Pers­on­al, vor einer Ge­fah­ren­zo­ne warnt. Sie war betrieblich in Sicherheits­fra­gen ge­schult. Das Lau­fen­las­sen der Mo­to­ren zwi­schen Flü­gen ist zu­läs­sig und üb­lich. Sie hatte das Mo­to­ren­ge­räusch ig­no­riert. Die Vor­her­seh­bar­keit der Un­falls war un­ter die­sen Um­stä­den nicht ge­ge­ben: An injury is fore­see­able if "a rea­sona­bly pru­dent per­son would have an­ti­ci­pa­ted that an in­ju­ry was li­ke­ly to re­sult from the per­for­man­ce or non­per­for­man­ce of an act." Das Ig­no­rie­ren von Si­cher­heits­an­wei­sun­gen, der ro­ten Li­nie und der Ge­räu­sche pas­sen nicht zur durch­schnitt­lich um­sich­ti­gen Per­son und der an ihr zu mes­sen­den Vor­her­seh­bar­keit einer Gefahr.


Sonntag, den 28. April 2019

Spitzenplagiat: Bestechende Ähnlichkeit  

Merkmale der bestechenden und der wesentlichen Ähnlichkeit des Plagiats
Copyright Symbol
.   Die bestechende Ähnlichkeit ihres Spit­zen­mus­ters mit dem Stoff der Be­klagten legte die Klä­ge­rin Ma­li­bu Tex­ti­les Inc. v. La­bel La­ne In­ter­na­tio­nal Inc. dar, doch wies das Ge­richt die Kla­ge ab, weil es da­von nicht über­zeugt war und eine we­sent­li­che Ähn­lich­keit nicht mit dem ur­he­ber­recht­li­chen Tat­be­stands­merk­mal des mög­li­chen Zu­gangs der Be­klag­ten zur Spi­tze der Klä­ge­rin vor­ge­tra­gen war.

In San Francisco prüfte das Bundesberufungsgericht des neunten Bezirks der USA am 24. Ap­ril 2019 neu und er­ör­ter­te die Merk­male des Copyright Act an­hand von Prä­ze­denz­fäl­len lehrreich. Die erste Alternative der striking Si­mi­la­ri­ty be­jah­te es ebenso wie die Zugangsmöglichkeit. Die Klägerin hatte ihre Rech­te or­dent­lich beim Co­py­right Office eingetragen, und die Kurzform der Wa­ren­be­zeich­nung im Prozess hin­dert nicht den Eigen­tumsnachweis.

Die schutzwürdigen Elemente grenzt es von anderen Designelementen im Ver­gleich mit der Spi­tze der Be­klag­ten ab und findet sie bestechend ähnlich nach­ge­ahmt. Aus zahl­lo­sen denk­ba­ren Designvarianten hätte sich die Beklagte an die Spi­tze der Klä­ge­rin ge­klam­mert. Die Beklagte hätte auch den Zugang zu den De­signs der Klä­gerin be­sitzen können, da ihre Ware in den USA und Chi­na bei Sei­den­we­be­rei­en und im Han­del weit­räu­mig ver­füg­bar war. Im Unter­ge­richt darf die nun als schlüssig beurteilte Klage weiterverfolgt werden.


Samstag, den 27. April 2019

Die Absicht des Fotoklaus bei der Fair Use-Einrede  

.   Den objektiven Merkmalen des Urheberrechtsgesetzes in seiner Definition der Fair Use-Einrede, die eine Urheberrechtsverletzung ent­schul­di­gen kann, ist kein subjektives Merkmal hinzufügen, ent­schied die Re­vi­si­on am 26. April 2019 in Russell Brammer v. Violent Hues Productions LLC. Das Untergericht unterschied zwischen der Absicht des Fotografen, der eine Sze­ne auf­neh­men und be­wer­ben wollte, und der des ungestatteten Nut­zers, der Fe­sti­val­be­su­cher über lokale Informationen bereichern wollte. Die ob­jek­ti­ven Merkmale werden so geprüft:
The "ultimate test" of fair use is whether the progress of human thought "would be better served by al­lo­wing the use than by pre­ven­ting it." Cariou v. Prince… In applying this test, a court con­si­ders:
(1) the purpose and character of the use, including whether such use is of a com­mer­ci­al na­tu­re or is for nonprofit educational pur­po­ses;
(2) the nature of the copyrighted work;
(3) the amount and substantiality of the portion used in relation to the copyrighted work as a whole; and
(4) the effect of the use upon the potential market for or value of the copyrighted work.
17 USC §107.
Copyright Symbol
Das Foto hat­te der Fotograf mit einem Ur­he­ber­rechts­ve­rmerk gekennzeichnet. Die­ser fehl­te, nachdem der Verletzer das Bild auf einer In­ter­net­fo­to­platt­form fand, eben­so wie ein Bild­aus­schnitt. Das Merk­mal der Trans­for­mie­rung un­ter­such­te das Bun­des­be­ru­fungs­ge­richt des vier­ten Be­zirks der USA in Rich­mond gründ­lich: To be transformative, a use must do "some­thing more than re­pa­cka­ge or re­pub­lish the original co­py­righ­ted work." Authors Guild, Inc. v. Ha­thi­Trust … [I]f the copying is done to "avoid the drudgery in working up some­thing fresh, [then] the claim to fair­ness in borrowing from another's work di­mi­ni­shes ac­cor­ding­ly (if it does not va­nish)." Es stellt beim Vergleich der Bil­der nichts trans­for­mie­rend Neu­es fest. Auch die Einbindung in eine Fe­sti­val­bro­schü­re be­wir­ke kei­ne neue Zweck­aus­rich­tung, an­ders als bei­spiels­wei­se die Auf­nah­me eines Tex­tes in eine Plagiats­such­ma­schi­ne.

Der Verletzer hätte dieselbe Wirkung durch den Abschluss eines Lizenzver­tra­ges erzielen können, den der Fotograf bereits mit anderen ab­ge­schlos­sen hat­te. Der Mangel an Böswilligkeit seitens des Verletzers spiele kei­ne Rol­le, der ge­werb­lich auftrete und einen finanziellen Schaden zufügte. Gute Ab­sich­ten wür­den von ihm ohnehin erwartet und wirkten sich nicht auf die Fair Use-Ab­wä­gung aus. Die behauptete Unschuldigkeit sei ebenso irrelevant wie der Glau­be, das Bild sei unbeschränkt nutzbar.







CK
Rechtsanwalt u. Attorney Clemens Kochinke ist Gründer und Her­aus­ge­ber des German Ame­ri­can Law Journal in der Digitalfassung so­wie von Embassy Law. Er ist nach der Ausbildung in Deutschland, Mal­ta, Eng­land und USA Jurist, vormals Referent für Wirt­schafts­politik und IT-Auf­sichtsrat, seit 2014 zudem Managing Part­ner einer 75-jäh­ri­gen ame­ri­ka­nischen Kanzlei für Wirtschaftsrecht. Er erklärt deutsch-ame­ri­ka­ni­sche Rechts­fra­gen in Büchern und Fachzeitschriften.

2014 erschien sein Kapitel Vertragsverhandlung in den USA in Heus­sen/Pischel, Handbuch Vertragsverhandlung und Ver­trags­ma­na­ge­ment, und 2012 sein Buchbeitrag Business Nego­ti­ati­ons in Ger­ma­ny in New York, 2013 sein EBook Der ame­ri­ka­ni­sche Vertrag: Planen - Ver­han­deln - Schreiben.

Die meisten Mitverfasser sind seine hochqualifizierten, in das amerikanische Recht eingeführten Referendare und Praktikanten.