SWM - Washington. Der Hersteller des alternativen PC-Betriebssystems LindowsOS,
die kalifornische Firma Lindows.com hat vor einem
Bundesbezirksgericht in Seattle erneut in einem Prozeß einen
Sieg errungen, in dem Microsoft, Produzent der Windows Betriebsysteme, die
Verwendung des Markennamen "Lindows" verbieten lassen will. Microsoft
argumentiert die Wahl der Marke "Lindows" für ein Computerbetriebssystem
sei geeignet, Verwirrungen mit der eigenen Marke "Windows" auszulösen und
ziele letztlich auf eine Ausbeutung dieser Marke ab, in deren Pflege Microsoft
seit Einführung von Windows etwa $1,2 Mrd. investiert habe.
Lindows.com dagegen bestreitet, daß es sich bei dem englischen
"Windows" um einen als Marke für ein Betriessystem schützenswerten
Begriff handelt. Nicht nur sei "Windows" ein häufig verwandter
Allerweltsbegriff in seiner eigentlichen Bedeutung (dt. Fenster), er sei
zudem schon vor der Einführung von Micrsoft Windows allgemein üblich
(engl. "generic") gewesen zur Bezeichnung von Betriebsystem mit einer
bestimmten graphischen Benutzerführung. Dem Einwand von Microsoft,
"Windows" sei zwar möglicherweise 1985, vor Einführung von Microsoft
Windows 1.0 üblich für derartige Betriebssysteme gewesen, heute
aber nicht mehr, hielt das Gericht für rechtlich irrelevant und betonte, es
sei auf den Zeitpunkt der Erstverwendung abzustellen, einer Jury werde man daher
nur die Frage vorlegen, ob "Windows" vor 1985 bereits üblich war,
wofür die Beklagte nach eigenen Angaben Beweismittel gesammelt
hat. Das Gericht hat nun Microsoft Gelegenheit gegeben, diese
voraussichtlich entscheidende Rechtsfrage vorab von einem Berufungsgericht
klären zu lassen.
Microsoft war schon zuvor vor dem gleichen Gericht mit dem Antrag auf Erlaß
einer einstweiligen Verfügung und einem Klageverfahren gescheitert. So feiert Microsoft es denn auch schon als Sieg, dass das Gericht nunmehr den Berufungsweg öffnete.
LindowsOS ist ein auf debian basierendes Betriebssystem mit besonderen Desktop-Komponenten, die die Installation weiterer Programme auf einen Klick reduzieren, und spricht damit Durchschnittsverbraucher an, denen die Microsoft-Produktfamilie zu schwer oder unsicher ist.
In Europa war Microsoft jüngst erfolgreicher, in den Niederlanden, Finnland und
Schweden hatten Gerichte die Verwendung von "Lindows" untersagt. Auch in anderen Länder versucht Microsoft, die Lindows-Vertriebspartner zu verängstigen (fresse.com, Nov. 25, 2003: Is Microsoft Scaring Vendors Into Dropping Linux?).