Juwel versteckt im Datenschutz
CK • Washington. Der Referendar hatte das richtige Gespür: 15 Minuten reichen nicht für die Auseinandersetzung mit amerikanischem Privacy Law und internationalem Datenschutz. In Williamsburg, Va, fördert David Holtzman, Autor des neuen Buches Privacy Lost: How Technology is Endangering Your Privacy, ein Juwel zutage: Informationelles Selbstbestimmungsrecht. Das hört man selten in Amerika. Dann beschreibt er die Datenschutzkrise in den USA.
Jay Aceto als angestellter Omniplex-Datenknacker führt die konkreten Gefahren vor Augen, die Juristen wie jedermann treffen und liefert sich ein Gefecht mit dem hochspezialisierten, nur für Anwälte und Banken tätigen Datenlieferanten Donald Berlin von ICI, die die positiven Seiten der legitimen Datenaufbereitung im Rahmen des geltenden Rechts darlegt.
Auf dem Rückweg nach Washington kommt die Sonne auf. Resümé: Vortrag umgeworfen und aufgebaut auf dem, was die Nichtjuristen vorwegnahmen. Amerikanisches Prinzip: Life, liberty and property als Grundlage für zuküftigen Datenschutz. Umfassender Datenschutz auch in den USA verfassungsvereinbar. Hilft Dir und mir, aber dank klarer Regeln auch Unternehmen wie Investigative Consultants Inc.
Auf der Landstraße ohne Karte verfahren! Schon wieder im gestern unglücklich wirkenden West Point. Heute die historische Seite: Noch ein Juwel! Die Papierfabrik bläst weiße Schwaden in den strahlenden Himmel. Vor ihr wird neben den Gleisen ein 18-Wheeler Big Rig rückwärts fast senkrecht zum Entladen hochgekippt: Datenentsorgung? Wohl nicht. Papier-Recycling? Schon eher.
Recycling steckt auch im Datenschutzvorschlag von Microsoft: Anpassung an Europa. Man kann es aber auch anders verkaufen: Als Umsetzung der Internet Infrastructure Working Group-Prinzipien von 1995, die Gleis an Gleis zu den UN-, OECD-, und EU-Prinzipien fuhren. Also die Schutzziele definieren, und neben Sammeln auch einmal an Entsorgen denken. Löschen tut bisher niemand. Informationen und Personenbezug als Property Plus statt rein funktionsgebundene Regulierung von Datenströmen im rechtlichen Bermuda-Dreieck der Privacy. Insgesamt: Gut gelaufen. Den Teilnehmern schien zu gefallen, dass Amerika sich nicht dem Ausland anpassen muss, sondern aus eigenen Quellen zum selben Ergebnis gelangen kann. Mit dem erhobenen Zeigefinger können wir Europäer hier ohnehin nichts erreichen.
Auf, weiter nach Washington! Dort findet die Schlacht um den Datenschutz statt. Vielleicht nimmt sich der neue Kongress etwas mehr Zeit für Grundsatzfragen statt hektisch auf Phishing, SPAM und Spyware zu reagieren. Dank an Marshall Curtis. Der Patentanwalt hat in Virginia den Grundstein gelegt und eine interessante Gruppe zusammengestellt. Seine Idee, Profiling-Praktiken wie von Amazon unterzubringen, ging wegen der knappen Zeit unter. Genauso wie Mikado, Geolocation und John Grisham. Dafür gibt es das Handout der Virginia Bar Association.
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