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Dienstag, den 14. Sept. 2010

Richter verbietet Google-Suche, revidiert  

.   Das ist mein Gerichtssaal, erklärte der Richter und verbot dem Klägeranwalt die Google-Suche. Im Protokoll steht:
THE COURT: Are you Googling these [potential jurors]?
[PLAINTIFF'S COUNSEL]: Your Honor, there's no code law that says I'm not allowed to do that. I -- any courtroom --
THE COURT: Is that what you're doing?
[PLAINTIFF'S COUNSEL]: I'm getting information on jurors -- we've done it all the time, everyone does it. It's not unusual. It's not. There's no rule, no case or any suggestion in any case that says --
. . . .
THE COURT: No, no, here is the rule. The rule is it's my courtroom and I control it.
[PLAINTIFF'S COUNSEL]: I understand.
THE COURT: I believe in a fair and even playing field. I believe that everyone should have an equal opportunity. Now, with that said there was no advance indication that you would be using it. The only reason you're doing that is because we happen to have a [Wi-Fi] connection in this courtroom at this point which allows you to have wireless internet access.
[PLAINTIFF'S COUNSEL]: Correct, Judge.
THE COURT: And that is fine provided there was a notice. There is no notice. Therefore, you have an inherent advantage regarding the jury selection process, which I don't particularly feel is appropriate. So, therefore, my ruling is close the laptop for the jury selection process.
In Deutschland wäre das nicht passiert, denn dort werden heutzutage keine Geschworenen aus- und abgewählt. Im US-Prozess ist das Verfahren hingegen die Norm, aaO S. 9. Dabei sucht jede Partei nach eigenen Gutdünken alle Informationen über die Personen im Jury Pool, um zu entscheiden, ob sie dem Parteiinteresse entsprechen.

Das Berufungsgericht revidierte am 30. August 2010 die Verfügung des Richters in Sachen Joseph Carino v. Christopher Muenzen, Az. A-5491-08T1. Der Gegenanwalt war nicht benachteiligt. Das Internet stand auch ihm zur Verfügung.

Das Google-Verbot entbehrt jeder Berechtigung, aaO S. 23. Das Urteil fiel im einzelstaatlichen Gericht von New Jersey und entfaltet deshalb keine USA-weite Wirkung.








CK
Clemens Kochinke ist Gründer und Herausgeber des German Ame­ri­can Law Journal in der Digitalfassung sowie von Embassy Law. Er ist nach der Ausbildung in Deutschland, Malta, England und USA Jurist, At­tor­ney und Rechtsanwalt, vormals Referent für Wirt­schafts­politik und IT-Auf­sichtsrat, seit 2014 zudem Managing Part­ner einer 75-jäh­ri­gen ame­ri­ka­nischen Kanzlei. Er erklärt deutsch-ame­ri­ka­ni­sche Rechtsfragen in Büchern und Fachzeitschriften.

2014 erschien sein Kapitel Vertragsverhandlung in den USA in Heussen/Pischel, Handbuch Vertragsverhandlung und Ver­trags­management, und 2012 sein Buchbeitrag Business Nego­ti­ati­ons in Ger­many in New York, 2013 sein EBook Der ame­ri­ka­ni­sche Vertrag: Planen - Verhandeln - Schreiben.

Die meisten Mitverfasser sind seine hochqualifizierten, in das amerikanische Recht eingeführten Referendare und Praktikanten.