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Samstag, den 04. Juni 2016

Heimatstaat hört ausgewanderten Dissidenten ab  

Rotunda des Kapitols, Washington, DC
.   Seinen Heimat­sta­at verklagte der eingebürgerte ehe­ma­lige Asylant und Dissident in seiner neuen Heimat in Doe a.k.a Kidane v. Federal Democratic Republic of Ethi­opia, weil Äthiopien ihn mit einem Trojaner bespitzele und so in den USA den Omnibus Crime Control and Safe Streets Act of 1968, den Wiretap Act in 18 USC §2510, sowie den Common Law-Schutz vor Intrusion upon Seclusion ver­letze:
[I]n late 2012 or early 2013, Kidane's personal computer … "bec[a]me infected with clandestine computer programs known as FinSpy." … FinSpy is "a system for monitoring and gathering information from electronic devices, including computers and mobile phones, with­out the knowledge of the device's user." … It is allegedly "sold ex­clu­sively to government agencies and is not available to the ge­ne­ral pub­lic." … Kidane attributes the FinSpy infection of his com­puter to an email "sent by or on behalf of Ethiopia that was thereafter for­war­ded to" him by a third party.
The FinSpy software allegedly "took what amounts to complete con­trol over the operating system" of his computer. … According to the complaint, FinSpy contains "modules" for "extracting saved pass­words from more than 20 different" programs, "for … recording In­ter­net telephone calls, text messages, and file transfers trans­mit­ted through the Skype application," "for covertly re­cor­ding audio from a computer's microphone even when no Skype calls are taking place," "for recording every keystroke on the computer," and "for recording a picture of the contents displayed on a computer's screen." AaO 3.
In einer 36-seitigen Begründung erklärte das Bundesgericht der Hauptstadt am 24. Mai 2016, dass der Wiretap Act keinen Privatanspruch gegen den Staat ge­stat­te. Zudem sei nach dem Foreign Sovereign Immunities Act die Staatsimmunität der beklagten Republik von amerikanischen Gerichten zu respektieren.

Nach den Präzedenzfällen müssten bei einer Haftung wegen unerlaubter Hand­lung, Tort, der rechtswidrige Akt ebenso wie der Erfolg in den USA geschehen. Hier sei eine Wirkung in den USA zu verzeichnen, doch die Handlung des im­mu­nen Staates erfolgte wohl außerhalb der USA, sodass auch keine Immuni­täts­aus­nahme nach 28 USC §1605(a)(5) greife.







CK
Clemens Kochinke ist Gründer und Herausgeber des German Ame­ri­can Law Journal in der Digitalfassung sowie von Embassy Law. Er ist nach der Ausbildung in Deutschland, Malta, England und USA Jurist, At­tor­ney und Rechtsanwalt, vormals Referent für Wirt­schafts­politik und IT-Auf­sichtsrat, seit 2014 zudem Managing Part­ner einer 75-jäh­ri­gen ame­ri­ka­nischen Kanzlei. Er erklärt deutsch-ame­ri­ka­ni­sche Rechtsfragen in Büchern und Fachzeitschriften.

2014 erschien sein Kapitel Vertragsverhandlung in den USA in Heussen/Pischel, Handbuch Vertragsverhandlung und Ver­trags­management, und 2012 sein Buchbeitrag Business Nego­ti­ati­ons in Ger­many in New York, 2013 sein EBook Der ame­ri­ka­ni­sche Vertrag: Planen - Verhandeln - Schreiben.

Die meisten Mitverfasser sind seine hochqualifizierten, in das amerikanische Recht eingeführten Referendare und Praktikanten.