• • Amerikanische Staatsb├╝rgerschaft ohne Wahlrecht • • USA-Recht für Jedermann: Kapitel 3 • • Merkmale der Erledigungserklärung am Vertragsende • • Sicherheitsnorm vertraglich durchsetzen • • Verbraucherschutz für Internet-Bewertungen • • Datenschutz kommt langsam in US-Staaten voran • • Des Handelsvertreters Wettbewerbsverbot in den USA • • Trump kritisiert, unterzeichnet Russland-Sanktionen • • Neueste Urteile USA

Samstag, den 11. Juni 2016

Karaoke verletzt Urheberrecht  

.   Karaoke verletzt Urheberrecht, auch wenn kein Musikant singt, erklärt der Fall Sony/ATV Publishing LLC v. Ontario Inc., in dem die beklagte Verletzerin behauptete, eine Lizenz für den Musikversand zu besit­zen, während der klagende Musikvertrieb behauptete, Karoake sei als audio­visuelles Werk von der Lizenz für die Aufführung lizenzierter Musik ausge­schlos­sen. Die Verletzerin meinte, ihr Verkauf von Musikdatei als MP3 und von Grafikdatei mit dem Liedtext sei von der Lizenz gedeckt, weil erst der Kun­de die Dateien zusam­men aufführe und damit ein audiovisuelles Werk an­bie­te. Das Bundes­beru­fungs­gericht des sechsten Bezirks der USA in Cin­ci­natti sah hingegen eine Um­gehung technischer Schranken:
[I]t denies distributing karaoke recordings, claiming instead to sell MP3+G files, which consist of a sound recording file (MP3) and a separate graphic file with the lyrics (+G). Ontario says that its run-of-the-mill HFA license authorizes this distribution scheme be­cause the two files are technically independent and create an aud­io­visual work only when played in unison by the consumer. It fails to per­suade. And other courts have rejected similar tech­no­logical efforts to bypass obtaining additional licenses. See, e.g., ABKCO Music Inc. v. Stellar Records Inc.… (rejecting the de­fen­dant's contention that physical "CD+G's" are phonorecords falling within the grant of a compulsory license); Leadsinger Inc. v. BMG Mu­sic Pub., (holding that a microchip containing sound re­cor­dings and images of the corresponding lyrics constituted an audio­visual work exceeding the scope of a compulsory license). AaO 5-6.
Die Entscheidungsbegründung vom 9. Juni 2016 stützt ein einstweiliges Ver­triebsverbot des Untergerichts: [T]he district court determined that On­ta­rio's li­cen­ses did not authorize its use of the Subject Works and enjoined Ontario from "copying, recording, manufacturing, advertising, distributing, selling, of­fe­ring for sale, transmitting or otherwise exploiting or causing to be used in any manner in the United States … the musical compositions owned and/or administrated by [Publishers]."

Das Gericht erörtert ausführlich vier Lizenzen, die die Beklagte vermeintlich, doch fehlerhaft zur Ansicht verleiteten, ihr Vertriebs­geschäft sei von Rechte­ver­wer­tern erlaubt. Es erklärt dazu die territorialen, temporalen und inhaltlichen Gren­zen der von Rechteverwertern erteilten Nutzungsgenehmigungen sowie die anderen Anforderungen an eine einstweilige Verfügung, preliminary In­junc­tion.








CK
Clemens Kochinke ist Gründer und Herausgeber des German Ame­ri­can Law Journal in der Digitalfassung sowie von Embassy Law. Er ist nach der Ausbildung in Deutschland, Malta, England und USA Jurist, At­tor­ney und Rechtsanwalt, vormals Referent für Wirt­schafts­politik und IT-Auf­sichtsrat, seit 2014 zudem Managing Part­ner einer 75-jäh­ri­gen ame­ri­ka­nischen Kanzlei. Er erklärt deutsch-ame­ri­ka­ni­sche Rechtsfragen in Büchern und Fachzeitschriften.

2014 erschien sein Kapitel Vertragsverhandlung in den USA in Heussen/Pischel, Handbuch Vertragsverhandlung und Ver­trags­management, und 2012 sein Buchbeitrag Business Nego­ti­ati­ons in Ger­many in New York, 2013 sein EBook Der ame­ri­ka­ni­sche Vertrag: Planen - Verhandeln - Schreiben.

Die meisten Mitverfasser sind seine hochqualifizierten, in das amerikanische Recht eingeführten Referendare und Praktikanten.