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Freitag, den 06. Juli 2018

EMailkette als wirksamer Prozessvergleich?  

.   Eine lange EMailkorrespondenz zwischen Prozess­vertretern kann wirksam einen Vergleich darstellen, hatte das Untergericht entschieden, und die Revision stellte am 5. Juli 2018 in Local Access, LLC. v. Peerless Network Inc. die Anforderungen an einen wirksamen Prozess­vergleich dar, den der Richter bestätigt hatte, um die Klage abzuweisen. Die Rechtsanwälte hatten nicht ein Dokument vorgelegt, sondern einen Aus­tausch per EMail, der in einer Punkteliste von Vereinbarungen kulminierte.

Grundsätzlich verlangt das Schriftformerfordernis, wenn es überhaupt re­le­vant ist, nur einen Beleg, der sich aus zahlreichen Schriftstücken zusammen­setzen darf - auch aus EMails, SMS oder Telegrammen. Die Parteien stritten auch, ob das Vertragsrecht von Florida oder von Illinois anwendbar ist. Die Revision fand, dass die Kernvoraussetzungen gleich sind, also auch die Wahl des anwend­ba­ren Rechts keinen Unterschied macht. Die Punkteliste in Ver­bin­dung mit den EMail­erklärungen erfüllt die rechtlichen Anforderungen an einen Vergleich, ana­ly­sier­te das Bundesberufungsgericht des elften Bezirks der USA in Atlanta:
Under both states' contract law, it was not clear error to find that the par­ties formed an enforceable settlement agreement. See Wil­son v. Wil­son,… (settlement agreements are enforceable under Il­li­no­is law if there is an offer, acceptance, and "a meeting of the minds as to the terms of the agreement"); Cty. Line Nurseries & Landscaping, Inc. ex. rel. Bankr. Tr. v. Glencoe Park Dist.,… ("A meeting of the minds exists whenever the parties' conduct objectively indicates an agreement to the terms of the settlement, even if one or more parties did not sub­jectively intend to be bound."); Pena v. Fox,… ("a settlement agree­ment is formed when there is mutual assent and a meeting of the minds between the parties," and subjective intentions are ir­re­le­vant because "[t]he wri­ting itself is the evidence of what the par­ties meant or intended").
Here, there are ample objective indications that the parties agreed on the terms of the agreement (identified in the final nine bullet points), as shown by the series of emails between the par­ties' law­yers. And the terms set out in the bullet points are sufficiently defi­nite.







CK
Rechtsanwalt u. Attorney Clemens Kochinke ist Gründer und Her­aus­ge­ber des German Ame­ri­can Law Journal in der Digitalfassung so­wie von Embassy Law. Er ist nach der Ausbildung in Deutschland, Mal­ta, Eng­land und USA Jurist, vormals Referent für Wirt­schafts­politik und IT-Auf­sichtsrat, seit 2014 zudem Managing Part­ner einer 75-jäh­ri­gen ame­ri­ka­nischen Kanzlei für Wirtschaftsrecht. Er erklärt deutsch-ame­ri­ka­ni­sche Rechts­fra­gen in Büchern und Fachzeitschriften.

2014 erschien sein Kapitel Vertragsverhandlung in den USA in Heus­sen/Pischel, Handbuch Vertragsverhandlung und Ver­trags­ma­na­ge­ment, und 2012 sein Buchbeitrag Business Nego­ti­ati­ons in Ger­ma­ny in New York, 2013 sein EBook Der ame­ri­ka­ni­sche Vertrag: Planen - Ver­han­deln - Schreiben.

Die meisten Mitverfasser sind seine hochqualifizierten, in das amerikanische Recht eingeführten Referendare und Praktikanten.