• • Schadensersatz für Geschäftsgeheimnis • • USA: Oligopol mit wissentlichem Parallelismus • • Ende der Jagd auf Clinton: Erledigungsmerkmale • • Vertragsbruch verjährt, Eignungsgarantie nicht • • Referendar, Kanzleigründer Kurz verstorben • • Grundfragen des Schiedsrechts nach Datenverlust • • Das Sex-plus-Merkmal der Diskriminierung: Ehe • • Alkoholvertrieb bald landesweit einheitlich? • • Neueste Urteile USA

Montag, den 23. Juli 2018

US-Gericht für forumsfremde Mutter zuständig  

Das Alter Ego im USA-Prozessrecht
.   Kann eine forumsfremde Muttergesellschaft - auch aus dem Ausland - vor das US-Gericht zitiert werden, in dem die Tochter sitzt und mit ört­licher und sachlicher Zuständigkeit verklagt wird? Das wäre ein Fall der oft­be­schwo­re­nen Usurpierung der Zuständigkeit. Allerdings leiden amerika­ni­sche Richter nicht an Unterbeschäftigung und wenden diver­se Grund­sätze an, um sich der Klagewut zu erwehren. Lehrreich ist bei dieser Konstella­ti­on das Urteil vom 20. Juli 2018 in Sac and Fox Nation Inc. v. Con­tain­ment Solutions Inc. vom Bundesgericht für Kansas.

Ein Indianerstamm verklagte einen Tankhersteller aus Gewährleistung und ver­klagte dessen Muttergesellschaft mit, die die Zuständigkeit rügte. Das Gericht er­klärt ausführlich die notwendige personal Jurisdiction für die örtliche Zu­stän­dig­keit, die sich im wesentlichen an den Verbindungen der Beklagten zum Ge­richtsbezirk orientiert. Weil es an diesem Nexus mangelt, argumentiert der Klä­ger, dass die Zuständigkeit auch nach den Grundsätzen der Durchgriffs­haf­tung vorliegen dürfte. Weil die Mutter über die Tochter als Alter Ego handelte, sol­le sie an den für die Tochter geltenden Gerichtsbezirk gebunden werden. Die er­for­derlichen zehn Merkmale liegen nach ihrer Abwägung nicht hinreichend vor:
There are ten factors that the court must review to determine whe­ther Denali is the alter ego of CSI. The factors are whether:
(1) the parent corporation owns all or a majority of the capital stock of the subsidiary; (2) the corporations have common directors or of­ficers; (3) the parent corporation finances the subsidiary; (4) the pa­rent corporation subscribed to all of the capital stock of the sub­si­diary or otherwise caused its incorporation; (5) the subsidiary has gross­ly inadequate capital; (6) the parent corporation pays the sa­la­ries or expenses or losses of the subsidiary; (7) the subsidiary has substantially no business except with the parent corporation or no assets except those conveyed to it by the parent corporation; (8) in the papers of the parent corporation, and in the statements of its officers, the subsidiary is referred to as such or as a department or division; (9) the directors or executives of the subsidiary do not act independently in the interest of the subsidiary but take direction from the parent corporation; and (10) the formal legal requirements of the subsidiary as a separate and independent corporation are not observed.

"Meeting just one of the alter ego factors is not enough." … Mo­reover, no specific combination or single factor is conclusive. AaO 8.







CK
Rechtsanwalt u. Attorney Clemens Kochinke ist Gründer und Her­aus­ge­ber des German Ame­ri­can Law Journal in der Digitalfassung so­wie von Embassy Law. Er ist nach der Ausbildung in Deutschland, Mal­ta, Eng­land und USA Jurist, vormals Referent für Wirt­schafts­politik und IT-Auf­sichtsrat, seit 2014 zudem Managing Part­ner einer 75-jäh­ri­gen ame­ri­ka­nischen Kanzlei für Wirtschaftsrecht. Er erklärt deutsch-ame­ri­ka­ni­sche Rechts­fra­gen in Büchern und Fachzeitschriften.

2014 erschien sein Kapitel Vertragsverhandlung in den USA in Heus­sen/Pischel, Handbuch Vertragsverhandlung und Ver­trags­ma­na­ge­ment, und 2012 sein Buchbeitrag Business Nego­ti­ati­ons in Ger­ma­ny in New York, 2013 sein EBook Der ame­ri­ka­ni­sche Vertrag: Planen - Ver­han­deln - Schreiben.

Die meisten Mitverfasser sind seine hochqualifizierten, in das amerikanische Recht eingeführten Referendare und Praktikanten.