• • IP-Haftungsfreistellungsklausel mangelhaft • • Fotos vom Wettbewerber auf Webseite kopiert • • Auslandsverweisung trotz Gerichtsstandsklausel • • Ideen zusenden verboten: Kein Plagiatsanspruch • • Amerikaner darf nicht ins zuständige US-Gericht • • US-Uneinheitlichkeit: Bund ist unzuständig • • Vorratsgesellschaften in den USA? • • Geheimhaltung des Strafgeschworenenverfahrens • • Neueste Urteile USA

Sonntag, den 27. Jan. 2019

IP-Anschriftensammlung und Erpressung  

Der Erpressung keinen Vorschub leisten: Schlankes Log hilft.
.   Geolocation is famously flawed, erkennen amerikanische Bundesgerichte und bezeichnen behauptete Rechteinhaber, die sich auf IP-An­schrif­ten bei der Suche nach angeblichen Rechtsbrechern stüt­zen, als Er­pres­ser: Ihr Modus Operandi besteht darin, Speicherer von IPs zu verklagen, um da­hin­ter­ste­hende Anschlussinhaber oder Webseitenbesucher zu er­mit­teln, und an­schließend von jenen eine Vergütung zu fordern. Erwidern die Be­su­cher eine Kla­ge, zie­hen sie sie zurück, weil sie offenbar die Schwächen der IP-Er­mitt­lung zur Identifizierung keiner gerichtlichen Prüfung unterziehen las­sen wol­len.

Copyright Symbol
Die Schwächen sollen nicht der weiten Öffentlichkeit be­kannt wer­den. Sachverständige weisen schließlich seit Jahr­zehn­ten darauf hin, dass die IP zur Bestimmung eines Rechteverlet­zers ungeeignet ist. In Schweden und England sind die­se Me­tho­den wei­ter ver­brei­tet als in den USA, wo das Co­py­right Trol­ling of­fen als Er­pres­sung und Missbrauch der Ge­richts­bar­keit be­zeich­net wird.

Webseitenbetreiber können ihr Teil zur Vermeidung der Irreführung bei­tra­gen und gleichzeitig die Verfolgung von Besuchern ihrer Seiten durch Dritte ein­gren­zen. Cookies, Tracker, Beacons, Schrifttypen aus Drittquellen und Re­fer­rer-Da­ten brau­chen sie meist ohne­hin nicht, und das Log der Webserver­soft­wa­re wie Apa­che oder Lighttpd lässt sich leicht auf ein Mi­ni­mum re­du­zie­ren, das nur Da­ten für einige wichtige Zwecke vor­über­ge­hend be­hält:
Standard Log mit allen Besucherdaten:
46.229.168.139 bcrdc.com - [27/Jan/2019:19:01:02 -0500] "GET / HTTP/1.1" 200 744 "-" "Mozilla/5.0 (compatible; SemrushBot/3~bl; +http://www.semrush.com/bot.html)"

Schlankes Log ohne IP-Anschrift und Referrer:
anwalt.us [27/Jan/2019:18:48:41 -0500] GET / HTTP/1.1 200 0
www.vertrag.us [27/Jan/2019:18:53:32 -0500] GET / HTTP/1.1 200 0
gen.ius.tv [27/Jan/2019:18:53:50 -0500] GET / HTTP/1.1 200 1


Einbruchslog / auth.log mit Quelle und Methode:
Jan 27 19:06:26 server3 sshd[3478]: Failed password for admin from 122.194.229.80 port 61514 ssh2







CK
Rechtsanwalt u. Attorney Clemens Kochinke ist Gründer und Her­aus­ge­ber des German Ame­ri­can Law Journal in der Digitalfassung so­wie von Embassy Law. Er ist nach der Ausbildung in Deutschland, Mal­ta, Eng­land und USA Jurist, vormals Referent für Wirt­schafts­politik und IT-Auf­sichtsrat, seit 2014 zudem Managing Part­ner einer 75-jäh­ri­gen ame­ri­ka­nischen Kanzlei für Wirtschaftsrecht. Er erklärt deutsch-ame­ri­ka­ni­sche Rechts­fra­gen in Büchern und Fachzeitschriften.

2014 erschien sein Kapitel Vertragsverhandlung in den USA in Heus­sen/Pischel, Handbuch Vertragsverhandlung und Ver­trags­ma­na­ge­ment, und 2012 sein Buchbeitrag Business Nego­ti­ati­ons in Ger­ma­ny in New York, 2013 sein EBook Der ame­ri­ka­ni­sche Vertrag: Planen - Ver­han­deln - Schreiben.

Die meisten Mitverfasser sind seine hochqualifizierten, in das amerikanische Recht eingeführten Referendare und Praktikanten.