Rechtloser Zustand II
SM - München. Angesichts der Flutkatastrophe verlieren nicht nur viele Bürger den Respekt vor der Rechtsordnung. Auch die Rechtspflege liegt nach Informationen von ProfessorBainbridge.com darnieder. Die Kanzleiräume von etwa einem Drittel aller in Lousiana ansässigen Anwälte seien verwüstet. Das höchste Gericht des Bundesstaates und ein Bundesberufungsgericht lägen unter Wasser. Der Großteil der Aktenbestände, Beweismittel und wohl auch die auf Computern gespeicherten Daten dürften als verloren gelten.
Sollte diese Prognose sich als zutreffend herausstellen, so müßte man sich über den Mangel an Katastrophenvorsorge wundern. Denn angesichts der prekären geographischen Lage von New Orleans lag es nahe, wasserdichte Evakuierungsräume wenigstens für Gerichtsmaterial bereitzuhalten und von Computerdaten an außerhalb der Stadt gelegenen Orten Sicherheitskopien aufzubewahren.
Doch zu den Leidtragenden gehören nicht nur berufstätige, sondern auch angehende Juristen. Möglicherweise haben nämlich auch die Klausuren aus dem soeben im Juli geschriebenen Bar Exam die Fluten nicht überstanden. Zudem können Studenten der in New Orleans beheimateten Tulane Law School das Herbstsemester nicht zum vorgesehenen Termin antreten. Die Fakultät hat provisorische Webseiten eingerichtet, mit deren Hilfe die in alle Winde verstreuten Mitarbeiter, Professoren und Studenten Kontakt halten sollen. Viele Studenten würden aber gerne ihre Ausbildung wenigstens zeitweise an anderen Hochschulen fortsetzen. Bislang erlaubt der Dean dies jedoch nur den Studenten im dritten Jahr. Dahinter steht möglicherweise der Wunsch, die Law School vor der Auflösung zu bewahren.