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Mittwoch, den 01. Mai 2019

Tod im Propeller: Wer haftet?  

Sorgfaltspflicht bei vorhersehbarem Schaden und umsichtigen Personen
.   So grausam der Gang in den rotierenden Propeller eines Fall­schirm­sprin­gerflug­zeugs und damit den Tod einer Flugbetriebsmitarbeiterin ge­we­sen sein mag, so klar ist der Re­vi­si­ons­bescheid vom 30. April 2019 in Re­bec­ca Wink­ler v. Win Win Avi­ati­on Inc. zur Frage der Haftung von Be­trieb und Pi­lot for­mu­liert. Die El­tern klag­ten, weil beim Auffüllen des Flug­ge­räts die Motoren beim Spritnachfüllen nicht abgestellt wurden, ihre Toch­ter kei­ne Si­cher­heits­ein­wei­sung am To­des­tag er­hielt und da­mit ein Ver­schul­den durch Sorg­falts­pflicht­ver­let­zung vor­liege.

Das Bundesberufungsgericht des sechsten Bezirks der USA in Cincinnati er­klärt leicht les­bar die Haupt­re­geln der Haf­tung, die eine Pflicht nur bei einer vor­her­seh­ba­ren Ge­fahr aufgibt: [U]nder Ohio law, "a plaintiff must prove (1) that the de­fen­dant owed the plain­tiff a duty, (2) that the defendant breached that du­ty, and (3) that the breach of the du­ty pro­xi­ma­te­ly cau­sed the plain­tiff's in­ju­ry." Chambers v. St. Mary's Sch., 697 N.E.2d 198, 200 (Ohio 1998) … "The exi­sten­ce of a du­ty de­pends on the fore­see­abi­li­ty of the in­jury." Me­ni­fee v. Ohio Wel­ding Prods., Inc., 472 N.E.2d 707, 710 (Ohio 1984).

Die Tote hatte eine rote Linie überschritten, die alle, Passagiere ebenso wie Pers­on­al, vor einer Ge­fah­ren­zo­ne warnt. Sie war betrieblich in Sicherheits­fra­gen ge­schult. Das Lau­fen­las­sen der Mo­to­ren zwi­schen Flü­gen ist zu­läs­sig und üb­lich. Sie hatte das Mo­to­ren­ge­räusch ig­no­riert. Die Vor­her­seh­bar­keit der Un­falls war un­ter die­sen Um­stä­den nicht ge­ge­ben: An injury is fore­see­able if "a rea­sona­bly pru­dent per­son would have an­ti­ci­pa­ted that an in­ju­ry was li­ke­ly to re­sult from the per­for­man­ce or non­per­for­man­ce of an act." Das Ig­no­rie­ren von Si­cher­heits­an­wei­sun­gen, der ro­ten Li­nie und der Ge­räu­sche pas­sen nicht zur durch­schnitt­lich um­sich­ti­gen Per­son und der an ihr zu mes­sen­den Vor­her­seh­bar­keit einer Gefahr.







CK
Rechtsanwalt u. Attorney Clemens Kochinke ist Gründer und Her­aus­ge­ber des German Ame­ri­can Law Journal in der Digitalfassung so­wie von Embassy Law. Er ist nach der Ausbildung in Deutschland, Mal­ta, Eng­land und USA Jurist, vormals Referent für Wirt­schafts­politik und IT-Auf­sichtsrat, seit 2014 zudem Managing Part­ner einer 75-jäh­ri­gen ame­ri­ka­nischen Kanzlei für Wirtschaftsrecht. Er erklärt deutsch-ame­ri­ka­ni­sche Rechts­fra­gen in Büchern und Fachzeitschriften.

2014 erschien sein Kapitel Vertragsverhandlung in den USA in Heus­sen/Pischel, Handbuch Vertragsverhandlung und Ver­trags­ma­na­ge­ment, und 2012 sein Buchbeitrag Business Nego­ti­ati­ons in Ger­ma­ny in New York, 2013 sein EBook Der ame­ri­ka­ni­sche Vertrag: Planen - Ver­han­deln - Schreiben.

Die meisten Mitverfasser sind seine hochqualifizierten, in das amerikanische Recht eingeführten Referendare und Praktikanten.